Praxis Schlichting
Warin - Warnow

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

liebe Patientinnen und Patienten,

liebe Mitmenschen!

 

"Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Immanuel Kant

Nachfolgend finden Sie einen Jahresrückblick formuliert als offenen Brief an meine Kolleginnen und Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern und die für das Verständnis wichtigen Anhänge. Der Brief spiegelt meine persönliche Meinung wider und mit dessen Veröffentlichung mache ich von meinem Menschenrecht der freien Meinungsäußerung Gebrauch. Sollten Sie sich in Ihren Freiheiten eingeschränkt fühlen, bitte ich um Rückmeldung, um den Inhalt des Schreibens ggf. anzupassen. Für meine Dünnhäutigkeit im vergangenen Jahr bitte ich um Entschuldigung und vor dem Hintergrund der Ereignisse um Verständnis. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Ihr Dr. Gregor Schlichting

Eickhof, im Januar 2020


Schatten der Diktatur
Jahresrückblick 2019
Schatten der Diktatur_1.pdf (319.9KB)
Schatten der Diktatur
Jahresrückblick 2019
Schatten der Diktatur_1.pdf (319.9KB)
Schatten der Diktatur
Anhänge ÄKMV
Anhänge ÄKMV.pdf (1.92MB)
Schatten der Diktatur
Anhänge ÄKMV
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Schatten der Diktatur
Anhänge KVMV
Änhänge KVMV.pdf (261.58KB)
Schatten der Diktatur
Anhänge KVMV
Änhänge KVMV.pdf (261.58KB)
Vorlage
Auskunftsersuchen gemäß DSGVO
Vorlage Auskunftsersuchen gemäß DSGVO.docx (18.4KB)
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Auskunftsersuchen gemäß DSGVO
Vorlage Auskunftsersuchen gemäß DSGVO.docx (18.4KB)

 


 


Epilog

2019 versuchte eine Gruppe von Ärzten im Vorstand der Ärztekammer MV (ÄK MV) mir nachzuweisen, daß ich nicht die Würde besäße, als Arzt zu praktizieren. Laut Impressum wurde die ÄK MV 2019 gerichtlich und außergerichtlich vertreten durch deren damaligen Präsidenten, Herrn Prof. Crusius. Heimlich beauftragte der Vorstand der ÄK MV einen Psychiater, ein Gutachten auf Aktenlage - ohne Untersuchung meiner Person - anzufertigen mit der Fragestellung, ob ich als psychisch gesund oder krank einzustufen sei. Erklärtes Ziel benannter Kolleginnen und Kollegen war es, mir die Approbation zu entziehen. In der Sache ging es um ein schwebendes berufsrechtliches Verfahren hinsichtlich einer Patientenbeschwerde aus dem Jahre 2016 (!). Im Verlauf des Jahres 2019 versuchten unsere hausärztlichen Kollegen Thiemann aus Bützow ihre Position innerhalb der kassenärztlichen Selbstverwaltung zu mißbrauchen, um meiner Frau die Eröffnung einer Zweigpraxis in Warnow zu verwehren. Pikanterweise war Herr Thiemann junior als Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer MV auch an den anfangs geschilderten Vorgängen beteiligt. Die Institutionen der ärztlichen Selbstverwaltung wurden in ihrem Ansehen aus meiner Sicht im vergangenen Jahr nachhaltig geschädigt.

Obschon ich alle beteiligten Personen dazu aufforderte, sich zu entschuldigen und zukünftig transparent, demokratisch und ohne Willkür zu handeln, erhielt ich bis zum heutigen Tage keine Antwort. Alle Aufsichtsorgane unserer Demokratie haben m.E. versagt und sind ihrer Aufsichtsfunktion nicht nachgekommen. Das illegitime Handeln des Vorstandes der ÄK MV blieb bislang ungesühnt. Die Ärzteschaft in MV schwankte in ihrer Reaktion auf die Veröffentlichung der Vorgänge und meiner deutlich formulierten Meinung zwischen Mitleid, Abwehr, Desinteresse und - leider auch - Empörung über meine offenen Worte. Eine berufsgerichtliche Klärung erwarte ich im Hinblick auf die personelle Besetzung unserer Gerichte erst in Jahren, wenn überhaupt. Im Februar 2020 wurde der bis dahin vorsitzende Richter des Berufsgerichtes in Greifswald befördert. Er bearbeitet nun Asylanträge als dritter Beisitzer am Oberlandesgericht. Sein Posten am Berufsgericht ist vakant und wurde bislang nicht nachbesetzt. Und so wird wohl alles so bleiben wie es ist unter der Führung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit - in ebendieser Reihenfolge...

Gedeihen konnten diese Strukturen in den letzten 30 Jahren in einem Umfeld, das aus meiner Sicht der Dinge wenig Demokratie zuläßt, bzw. nur so viel, wie eben nötig. Die Kammerversammlung der ÄK MV wird in regelmäßigen Abständen gewählt. Danach tagt diese Kammerversammlung seit 30 Jahren unter dem Ausschluß jeglicher Öffentlichkeit. Jedes Kammermitglied hat auf dem Boden unserer demokratischen Rechte, formuliert in der Satzung der ÄK MV, Zutritt zu den öffentlichen Versammlungen. Man darf zuhören und kann damit kontrollieren. Um diese Transparenz und diese Kontrolle zu vermeiden, wurden die Termine und Tagesordnungspunkte der Kammerversammlung der Ärztekammer in MV durch unseren Präsidenten, Herrn Prof. Crusius, nicht im Vorfeld für alle Kammermitglieder einsehbar veröffentlicht. Uns, Ärztinnen und Ärzten in MV, wurde damit seit nunmehr 30 Jahren (!) die demokratische Kontrolle unserer gewählten Vertreter verwehrt. Nur im Schatten dieser Intransparenz unter Umgehung der demokratischen Kultur konnten Misswirtschaft und Willkür gedeihen. Auch gegen diesen Mißstand erhob ich Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht. Noch in der Klageerwiderungsschrift argumentierte das Justiziariat der ÄK MV, daß man sehr wohl die Kammerversammlungstermine veröffentliche. Leider ging aus den vorgelegten Unterlagen lediglich hervor, daß man die Termine in den letzten Jahren Wochen bis Monate nach den eigentlichen Terminen der Kammerversammlung veröffentlichte. Die erste weit im Vorfeld veranschlagte und veröffentlichte Kammerversammlung tagt am 07.11.2020. Die Tagesordnungspunkte sind weiterhin nicht teil der Veröffentlichung und auch der Tagungsort wird noch immer nicht bekannt gegeben. Wer jetzt noch Lust hat teilzunehmen, ist nicht nur ein echter Verfechter der Demokratie, sondern muß auch noch geduldig den Veranstaltungsort suchen...

Der Vorstand unserer kassenärztlichen Vereinigung (KVMV) schlägt aus meiner Sicht in dieselbe Kerbe. Meine Veröffentlichung und meine freie Meinungsäußerung wurden als unangebracht angesehen. Meine Betroffenheit und nachfolgende Empörung über die gewachsenen Strukturen konnte man zwar empathisch verstehen, wollte sich aber nicht positionieren. Es sind dann mutmaßlich doch zu viele Verflechtungen mit unserer Ärztekammer vorhanden. Im Namen des Vorstandes der KVMV drohte mir der Vorstandsvorsitzende Herr Rambow schriftlich mit disziplinarischen Maßnahmen und warf mir unter Bezugnahme auf zwei bayrische Präzedenzfälle indirekt Beleidigung von ehrenamtlichen Mitarbeitern der KVMV, Abrechnungsbetrug und Unwirtschaftlichkeit vor. Um mich von diesen Vorwürfen im Selbstreinigungsverfahren zu befreien, leitete ich disziplinarische Maßnahmen gegen mich selbst ein. Man erweiterte mit Aufnahme des Disziplinarverfahrens seitens des Justiziariats der KVMV den Vorwurf auf "Meuterei" ("Gefährdung des Sicherstellungsauftrages der KVMV gemäß §75 SGB V"). Noch höher konnte man mein vorgebliches "Delikt", nämlich die Nutzung meines Rechts auf freie Meinungsäußerung, nicht hängen. Der Disziplinarausschuß der KVMV hat beschlossen, mich zu verwarnen und mir die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Auch dieser m.E. einmalige Vorgang wird vor unseren Gerichten möglicherweise eines Tages abschließend aufgearbeitet.  

Womöglich gefährden aber die gewachsenen Machtstrukturen innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung in MV und die in ihr tätigen Funktionäre, die diese Machtstrukturen unterhalten, tatsächlich den Sicherstellungsauftrag der KVMV. Es ist aber im Hinblick auf die "Gunst meiner späten Geburt" sicherlich nicht meine Schuld, daß diese Strukturen dergestalt existieren. Ich vertrete lediglich eine klare Position, äußere an dieser Stelle meine Meinung und alles hier Geschriebene entspricht meiner Wahrnehmung der Umstände und damit meiner gefühlten Realität. Diese Veröffentlichung dient der Mahnung und wird hoffentlich in das kollektive Gedächtnis der mecklenburger Ärztinnen und Ärzte eingehen, um derartige antidemokratische und rechtsstaatlich nicht zu rechtfertigende Vorgänge in Zukunft wirksam zu unterbinden. Betrachte ich die Geschichte der Familie Schlichting, zu finden unter "Geschichte der Praxis Schlichting" und der "Geschichte der Wassermühle Eickhof", fühle ich mich im Hinblick auf die Meilensteine der eigenen Familiengeschichte, 30 Jahre nach der friedlichen Revolution, 190 Jahre nach der Junirevolution von 1830 und 471 Jahre nach der Entscheidung für die protestantische Kirche an der Sagsdorfer Brücke 1549, vor dem Hintergrund des Machtmissbrauchs innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung in MV mitunter wie jene ältere Frau, die 2017 bei den polnischen Protesten für das Recht auf Abtreibung ein Poster in die Kamera hielt auf dem zu lesen war: "I can't believe I still have to protest this fucking shit."

Ihr Dr. Gregor Schlichting

Eickhof, den 10.10.2020